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Trennen
uns Welten von Kiel, weil es dort wesentlich mehr StudentInnen
gibt?
Oder von
Bremen, weil der langjährige Bürgermeister
Alltagsradler war?
Oder bringt
uns ein Blick in die Geschichte unserer Stadt weiter?
Also wie
war das damals? In den 60er Jahren flüchteten Scharen von
Hamburgern vor dem Autolärm und Gestank nach Norderstedt.
Diese motorisierungsgeschädigten Einwanderer hatten
befremdliche Sitten. Sie brachten ihr Auto mit, vor dem sie
gerade geflüchtet waren. Später kam dann der Zweitwagen. Das
Kraftfahrt-Bundesamt bescheinigte der Stadt
die höchste Kfz-Dichte pro Haushalt und damit den
allerletzten Platz deutschlandweit in umweltfreundlicher
Mobilität.
Platz für
Autos wurde geschaffen, indem man Radwege durch Parkbuchten,
Verschwenkungen usw. regelrecht filettierte. Die Rathausallee
ohne einen einzigen Zebrastreifen trennt das Rathaus von den
Ladenzeilen. Die Ulzburger Str. hätte nach dem Umbau eine
innerstädtische Flaniermeile werden können. Stattdessen
Tempo 50 ohne einen einzigen Zebrastreifen, dafür linke
Radwege mit hohen Unfallzahlen. Noch 2003 wurde die
Schleswig-Holstein-Str. ohne Radweg verlängert.
1990
gründete sich eine Gruppe aus ADFC, VCD und SPD, um
gegenzusteuern.
2005 fiel
der Fahrradklimatest mit dem 85. Platz von 93 Städten recht
deprimierend aus.
Da die
Stadt das aber ganz anders sah, präsentierten wir diese
Checkliste:
Was zeichnet eine
fahrradfreundliche Stadt aus?
1.
Fahrradstreifen auf der Fahrbahn: Norderstedt hat genau 25 m
davon auf der Aspelohe.
2.
„Radlerblasen“: Aufstellflächen für Radler an Kreuzungen
vor dem Haltebalken: Unbekannt.
3.
Radampeln: Die erste und einzige wurde 2007 installiert.
4.
Öffnung von Einbahnstraßen in Gegenrichtung für Radfahrer:
Einige
wurden geöffnet, in Kiel dagegen 90 %.
5.
Städtische Werbung für Radverkehr: Wer 2006 den Aufkleber
„Norderstedt eine Idee voraus“
auf
sein Auto pappte, konnte Preise gewinnen. Fürs Fahrrad nicht
vorgesehen.
6.
Fahrradstraßen: Unbekannt, in zaghaften Ansätzen schon mal
angedacht und wieder verworfen.
7.
Parken auf Rad- und Fußwegen: vielfach erlaubt, bzw. wird
kaum geahndet.
8.
Parkraumbewirtschaftung: Wer sich da vorwagte, dem Gnade Gott.
9.
Fahrradabstellanlagen: Im Dezember 2007 wurden die ersten acht
Boxen aufgestellt.
3
Monate später erklärte der
Oberbürgermeister: Weitere gibt es nicht,
egal
wie lang die Warteliste ist. Nebulös wird die Idee eines
Fahrradparkhauses beschworen.
10.
Finanzielle Mittel: Die Arbeitsgruppe erreichte, dass die
Mittel für die AG Radverkehr im Jahre 2006
von
51.000 auf 250.000 Euro
aufgestockt wurden. Ein schöner Erfolg. Der ADFC fordert 1/3
des Verkehrshaushaltes.
11.
Radwegbenutzungspflicht auf unbenutzbaren Wegen: Weit öfter
vorhanden als gesetzlich zulässig.
In
der Ochsenzoller Str. wurde die Benutzungspflicht nach vielen
Diskussionen inzwischen aufgehoben.
12.
Baustellen: Hier werden Radfahrer regelmäßig durch das
Schild „Radfahrer absteigen“
gesetzwidrig
ausgebremst
13.
Winterdienst auf Radwegen. Ein schöner Erfolg des ADFC: Durch
Antrag in der Stadtvertretung
erreichten
wir, dass die Reinigungssatzung seit 2008 den Winterdienst
auch auf Radwegen vorschreibt.
Was die Stadt nicht tut,
tun wir selber
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